
Nach einer langen Zeit der kommunikativen Enthaltsamkeit und dem stillen Ausklang eines Jahres, in dem man für sich selbst das Ruder herumgerissen und den Kurs weg vom Eisberg auf Süd-West geändert hat, sollte man sich eigentlich der weiteren Kritik an den Leistungen derer enthalten, mit denen man einst, wenn auch ungern, im gleichen Boot sitzen musste.
So war es in den letzten Wochen auch mehr ein, manchmal wehmütiges, über die Schulter zurückschauen, begleitet von in langen Jahren erlerntem ungläubigen Kopfschütteln, mit dem Geist und Körper auf die bundesdeutschen Ereignisse zum Jahreswechsel reagierten.
Was fehlt, und durchaus als angenehm empfunden wird, ist die direkte Betroffenheit und das Gefühl der Machtlosigkeit, denn ich habe dem Land in dem ich geboren wurde endgültig die Freundschaft aufgekündigt und diesem „Vaterland“, das mehr und mehr zum sklavenhaltenden Überwachungsstaat und bürokratischem Umerziehungslager mit zwangshafter Ausländeranbiederung mutierte, den Rücken gekehrt.
Die Gründe sind vielfältig und politischer, wirtschaftlicher, familiärer und persönlicher Natur, wobei deren Reihenfolge und Gewichtung selbstverständlich beliebig verändert werden kann.
Zusammenfassend könnte man es einfach und für jedermann verständlich deftig-derb mit „ich hatte einfach die Schnauze voll“ umschreiben, oder etwas weniger volkstümlich „die wirtschaftliche und bevölkerungspolitische Situation in der widerlich vereinigten BRddr war für mich als Bürger, Wähler, Steuerzahler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Vater, Ehemann und Mensch nicht länger hinnehmbar“ und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen und hab “rüber gemacht”.
So konnte ich die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel in aller Ruhe genießen und die anhaltenden Diskussionen über Managergehälter, Mindestlöhne, Arbeitslosenzahlen, Auf- und Abschwung, gewalttätige Jugendliche, Terrorgefahr, Klimawandel, innerstädtische Schutzzonen, Rauchverbot, Energiepreise, Lokführerstreik, Rechtsradikalismus und dem Ausblick auf die „Reformen“ des Jahres 2008, ebenso gelassen zur Kenntnis nehmen, wie die üblich seichte „Ich und meine Frau“-Weihnachtsansprache von Bundeshotte Köhler und das „Alles wird gut“-Neujahresgesabbere der offensichtlich nicht mehr völlig drogenfreien Bundesangela.
Es ist wirklich erstaunlich, mit welchem Feuereifer rechtsseitig des Rheins die Problemchen vom Zaun gebrochen werden und mit welcher Ausdauer in der Nation darüber debattiert und diskutiert wird. Dabei handelt es sich doch offensichtlich um wirtschaftliche und politische Onaniervorlagen und Ablenkungsmanöver.
Bestes Beispiel ist die vom Hessenkoch geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts, die Ausweisung von ausländischen Gewalttätern und die Forderung nach „Erziehungslagern“. Das ist doch alles Quatsch in einem Land, das sich selbst permanent als „ausländerfeindlich“ bezeichnet und sich der chronischen Erfolglosigkeit bei der Ausländerintegration bezichtigt, aber Schwellentäter mit 30 und mehr Straftaten frei herum laufen lässt und sogar noch durch einen persönlichen Staatsanwalt betreut. Sie können sich als Bürger darauf verlassen, dass nach dem Ende des hessischen Wahlkampfes dieses Thema wieder aus den Medien verschwindet und in bundesdeutschen Großstädten weiterhin Gewalt an der Tagesordnung ist.
Oder lassen Sie doch einfach mal die Debatte über die Gehälter von Managern Revue passieren. Schon die Begrifflichkeit des „Managers“ ist so vage wie die des „Besserverdienenden“. Das ist pure Absicht, denn so lässt sich leicht die „Neiddebatte“ mit Forderungen nach „Reichensteuern“, „Managersteuer“ und dringend notwendiger gesetzlicher Reglementierung anreichern, ohne das eigentliche Problem beim Namen nennen zu müssen. Denn Vorstandsgehälter, und um diese geht es ja im Wesentlichen, werden vom Aufsichtsrat eines Unternehmens in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft mit den Vorständen verhandelt und genehmigt. Sehen Sie sich doch mal die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der an der deutschen Börse notierten Aktiengesellschaften an und Sie werden neben vielen Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaftsfunktionären auch viele bekannte Namen aus den Vorstandsetagen anderer Untennehmen finden. Und da bekanntlich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, wäre es eine einfache gesetzgeberische Maßnahme, die Zahl der Aufsichtsratsmandate jeder natürlichen Person auf maximal drei zu begrenzen um der grassierenden Vetternwirtschaft den Nährboden zu entziehen.
Ähnlich konstruktiv ist die vom „Waschen, Schneiden und Fönen“-Kurti aus rein parteitaktischen Gründen losgetretene Debatte über den Mindestlohn. Oder glauben Sie wirklich, dass der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) nach den sozialpolitischen Raubzügen der vergangenen Jahre nun plötzlich das „Gewissen“ schlägt?
Gewiss nicht! Es geht nur um das Stühlezurechtrücken im nächsten Bundestag und was dem Herrn Koch aus Hessen die „ausländischen Gewalttäter“ sind, sind dem Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz nun eben die „deutschen Billiglöhner“.
Dabei hat gerade seine Partei schon vor Jahren den „Mindestlohn“ pro Arbeitstunde mit 1-Euro festgeschrieben und damals herumgetönt, dass dadurch jede Menge Arbeitsplätze geschaffen würden.
Seit ich in einem Land wohne, in dem man sein Auto mit laufendem Motor vor der „Boulangerie“ stehen lässt, während man sein „Baguette“ kauft, lassen mich auch die in bundesdeutschen Städten eingerichteten „Schutzzonen“ kalt, die man nur noch mit Sondergenehmigung und Plakette befahren darf.
Und über die in der BRddr ständig wiederkehrende Debatte zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf völlig überlasteten Autobahnen kann ich angesichts des in Frankreich geltenden Limits von 130 km/h auf der fast leeren „autoroute“ nur lächeln. Gleiches gilt auch für die PKW-Maut auf Autobahnen und die Abschaffung der KFZ-Steuer, denn beides ist hier bereits Realität.
Hier weiß ich auch, dass Atomstrom aus der Steckdose kommt und muss mich nicht von einem skrupellosen Stadtwerk mit getürktem Öko-Strom verarschen lassen, den man mir auch noch zu einem weit höheren Preis andreht.
Bevor ich jetzt in Versuchung geraten könnte, die in Frankreich bestehenden Verhältnisse zu glorifizieren, möchte ich dieses Thema mit dem Hinweis abschließen, dass hier viele Dinge wirklich „erfrischend einfach“ sind.
So erfrischend einfach wie die neue „Liebschaft” des französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy mit Carla Bruni, die nun doch schon einige Armbanduhren wichtiger Männer auf dem Nachttisch liegen hatte. Sarkozy ist dabei sicher nicht der Letzte in ihrer Sammlung, doch für die deutsche Presse ist das so immens wichtig wie die ungewollte Schwangerschaft von Britneys Spear’s 16-jähriger Schwester und auf dem selben Niveau wird auch darüber berichtet.
Auch wenn in den deutschen Medien der Eindruck erweckt wird, so regt sich hier in Frankreich, außer der politischen Opposition, kein Mensch darüber auf.
Wobei, das möchte ich jetzt nicht ganz unerwähnt lassen, die Schwangerschaft einer 16-Jährigen in den USA durchaus eine nationale Katastrophe sein kann und das in 2008 in der BRddr Erstgeborene einer 14-Jährigen wohl nur eine erste nationale Maßnahme zur bundesdeutschen Demographieverbesserung sein wird.
Aber selbst mir als Ausländer im Linksrheinischen ist rasch klargeworden, dass der öffentliche Wangenkuss eines Franzosen zu den guten Umgangsformen des „faire la bise”
gehört.
Und das gilt auch für einen von ungarischen Migranten abstammenden französischen Staatspräsidenten, selbst dann, wenn er sich weiterhin beharrlich weigert vor der Bundesangela auf die Knie zu fallen und ihr die Hand zu küssen. Dafür hat der Präsident mein vollstes Verständnis. Wenig Verständnis gibt es aber darüber, dass deutsche Medien so gerne aus französischen Medien zitieren, während sich diese mehr über die bundesdeutsche Aufregung und Behauptung wundern, dass „alle Franzosen“ mit dem Latin-Lover Präsidenten unzufrieden sind, während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.
Ach ja, da war ja noch die Meldung, dass der aus dem Leben geschossene „JJ1“, bekannt als „Bruno der Bär“, nun in ausgestopftem Zustand im Münchner Museum für Mensch und Natur bewundert werden darf, während sein weißhaariges Gegenstück „Ede“, bekannt als der Stoibär nach Brüssel gerufen wurde, um dort die Bürokratie zu bekämpfen.
Im Interesse der Sache wäre es sicher besser gewesen, den aus dem Amt geschossenen „Stoibär“ ausgestopft ins Museum zu stellen, während „Bruno Braunbär“ zwecks Bürokratieabbau in Brüssel jeden Tag einen Beamten oder Politiker gefressen hätte.
Eine schöne Bescherung, die da angerichtet wurde.

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