Eingreiftruppe

30. Januar 2008 05:45

Lieber Freund

Wie rutscht man am besten in eine kriegerische Auseinandersetzung?
Ganz einfach - man lässt sich bitten, daran teilzunehmen.
Nun könnte man eine solche Bitte, ohne unfreundlich zu sein, selbstverständlich auch mit den Worten „Nein Danke“ ablehnen - sofern man das möchte.

Noch besser ist es natürlich, wenn man nicht nur gebeten wird, sondern wenn man freundlicherweise die Möglichkeit bekommt mit Kampftruppen an einer friedlichen Mission teilnehmen zu „dürfen“, denn da kann man ja fast nicht mehr „nein“ sagen.

So eine Gelegenheit bekommt man wirklich nicht oft.
Vor allem nicht, wenn man vor einem halben Jahrhundert noch mit dem Rest der Welt im Krieg gelegen hat und heute noch sein Haupt unter der Asche der Toten senkt, die ihr Leben durch deutsche Soldaten verloren.

Nie mehr soll der Fuß eines deutschen Soldaten fremden Boden betreten“, hat man sich vor gut einem halben Jahrhundert geschworen, und „nie mehr soll Gewalt von deutschem Boden ausgehen“ und keine Gelegenheit wird ausgelassen um das „Deutsche Volk“ daran zu erinnern welch schwere Schuld sich jeder einzelne Nachkomme durch das Erbe seiner Väter aufgeladen hat.

Aber was kümmert es heute einen, nur seinem Gewissen verpflichteten, deutschen Politiker im Deutschen Reichstag, dass seine Amtsvorgänger an gleicher Stelle vor nicht allzu langer Zeit mit der Entsendung von Kampftruppen in fremde Länder einen ersten verhängnisvollen Fehler in einer langen Ketten weiterer Fehler begangen haben, an denen die folgenden Generationen noch heute zu knabbern haben.
Damals nannte sich die Veranstaltung „Deutsches Reich“ und heute „Bunte Republik“.
Damals war es eine „totalitäre Diktatur“ und heute ist es eben eine „totale Parteiendiktatur“.
Damals musste als Begründung die „Gewinnung von Wirtschafts- und Lebensraum im Osten“ herhalten und heute ist es eben „die Verteidigung der inneren Sicherheit am Hindukusch“.

Wie auch immer, jetzt ist die offizielle Einladung zur Teilnahme an einer kriegerischen Auseinandersetzung endlich in Berlin eingetroffen, denn die Nato hat das Verteidigungsministerium des Bundes um die Entsendung einer 250 Mann umfassenden „schnellen Eingreiftruppe“ gebeten und die gewählten Volksvertreter im Reichstag werden über diesen Wunsch befinden.

Offiziell sind sie dabei nur ihrem Gewissen verpflichtet, aber im Laufe der Jahre ist es üblich geworden, diesem Gewissen einen gewissen Spielraum einzuräumen oder es zur Gänze durch den Fraktionszwang zu ersetzen.
Dabei muss heute ein gewissenhafter Abgeordneter im Deutschen Reichstag, anders als sein Vorgänger anno 1935, nicht mehr um sein Leben fürchten, sondern nur um seinen Ausschluss aus der Partei.
Wie viele Mitglieder der NSDAP damals ein eigenes Gewissen hatten, kann man allein schon daran erkennen, dass 1945 praktisch niemand mehr in der Partei war oder irgendwann gewesen sein will.

Um nun den Abgeordneten der „Bunten Republik“ im Jahre 2008 das Abnicken des Kampfeinsatzes der schnellen Eingreiftruppe vor ihrem Gewissen zu erleichtern, hat die Bundesregierung schon mal betont, dass sich dieser Einsatz „grundsätzlich“ nicht von der bisherigen Aufgabe deutscher Soldaten in Afghanistan unterscheide.
Daher könne der Einsatz der Eingreiftruppe ohne weiteres und ohne lange Diskussion innerhalb des vom Bundestag bereits beschlossenen Afghanistan-Mandats stattfinden.

Und außerdem hat der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), schon letzte Woche erklärt, dass er fest damit rechne, dass die Bundeswehr der Anforderung nach Stellung einer „Eingreiftruppe“ nachkommen werde.Wo der Mann wohl diese Sicherheit hernimmt?
Und das, bevor die Abgeordneten im Deutschen Reichstag ihr Gewissen befragen konnten!
Machopan
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Panikmache

14. Januar 2008 05:45

Lieber Freund

PanikmacheDas neue Jahr beginnt, wie könnte es in den Zeiten der gewollten politisch-wirtschaftlich-gesellschaftlichen Apokalypse auch anders sein, mit den üblichen Horrormeldungen, denn die Energiekosten steigen weiter, der Mindestlohn wird Millionen von Billiglöhnern den Arbeitsplatz kosten, die Schmierereien bei Siemens sind größer als erwartet und werden nur noch von der Ahnungslosigkeit des Managements übertroffen, recht radikale Glatzköpfe blasen zur Hetzjagd auf dunkelhaarige Zugewanderte, jugendliche Schläger machen deutsche Rentner platt und während sich die andauernde Tarifauseinandersetzungen zwischen GDL und Bahn nun bald zum ersten mal jährt, erfährt der Bürger aus den Medien: „Wer vorsorgt ist der Dumme“.

Nun ist das ja alles nicht neu, lediglich die Prioritäten in der Berichterstattung verschieben sich, je nach Interessenlage und in Abhängigkeit der Sau, die gerade mal wieder durchs Land getrieben wird..
So ist man als Leser in der medialen Welle der Gewalttätigkeit durch ausländische Jugendliche ja schon fast dankbar, wenn irgendwo mal wieder ein Ausländer Dresche bezogen hat. Aber nach der Landtagswahl in Hessen und dem Koch’schen Machterhalt ist dieses Thema sicher vom Tisch und aus den Medien, was nicht heißen wird, dass dann weniger Rentner verkloppt werden.
Wenden wir daher unser Augenmerk lieber den „vorsorgenden Dummen“ zu, denn „eigene Vorsorge“ tut Not haben uns die Vertreter der Bundesregierung und Versicherungswirtschaft in Personalunion doch nun wirklich schon so lange erzählt, bis der letzte Depp sich mit mindestens 5 Euro im Monat „riestern“ ließ.
Nur dreißig oder vierzig Jahre brav „riestern“ hat es geheißen und dann sieht man im Alter als „Rentier“ nicht so alt aus wie die „Rentner“.
Und ausgerechnet jetzt, so mitten im Wahlkampf, berichtet das ARD-Magazin „Monitor“, dass dem wohl nicht so sein wird und „die vom Munde abgesparte Vorsorge für das Alter rund zehn Millionen Rentner gar nichts nützt“ und das Entsetzen ist allerseits groß.
Dabei ist auch das nicht neu, denn wer nach seiner Berufstätigkeit eine staatliche Rente bezieht, die unterhalb der Grundsicherung von rund 660 Euro liegt und deshalb Anspruch auf zusätzliche Unterstützung aus den Sozialkassen hat, muss sich seine Riester-Rente anrechnen lassen. Für den Rentner bedeutet das, dass er womöglich trotz Riesterente nicht mehr Geld in der Tasche hat, als der Nachbar, der ohne Riesterrente die Differenz zur Grundsicherung vom Staat erhält.
„Dumm gelaufen“ mag da so mancher Werktätige denken, „das kann mir nicht passieren, denn meine Rente wird im Rentenalter sicher über der „Grundsicherung“ liegen, denn von 660 Euro im Monat kann man ja nicht leben.

Ähhhhmmm …

Haben Sie schon mal Ihre Rentenauskunft aufmerksam gelesen und auch verstanden? Natürlich ohne die hineingerechneten Mutmaßungen über mögliche zukünftige Rentenerhöhungen zur Kenntnis zu nehmen.
Falls Sie dann immer noch glauben Ihre Rente würde über dem Grundeinkommen liegen, dann mein lieber Freund sind Sie wirklich ein unverbesserlicher Optimist, ein Besserverdiener oder einfach ein Lebenskünstler.
Denn ein Durchschnittsverdiener braucht heute 25 Beitragsjahre, um sich einen monatlichen Rentenanspruch von 660 Euro zu erwerben. Im Jahr 2030 muss man für den gleichen Anspruch schon 30 Jahre arbeiten. Natürlich lückenlos, versteht sich! Für Langzeitstudenten, Arbeitslose und Geringverdiener wird es wohl also eng werden.
Momentan erhalten in den alten Bundesländern 23,9 Prozent aller Männer und 66,4 Prozent aller Frauen eine staatliche Rente, die unter 600 Euro liegt.
Wie aus einer im November 2007 bekannt gewordenen Studie des Bundesarbeitsministeriums ersichtlich ist, wird sich die Zahl der „armen Rentner“ zukünftig allerdings drastisch erhöhen, denn Arbeitslosigkeit und Hungerlöhne führen zwangsläufig zu Altersarmut und außerdem werden die rot-grünen Rentenreformen das gesetzliche Rentenniveau in den nächsten zwei Jahrzehnten noch empfindlich nach unten drücken.

Aber dann ist es zu spät um den Verantwortlichen ordentlich in die Fresse zu hauen, denn die haben sich mit ihren stattlichen staatlichen Pensionen und diversen Nebeneinkünften in der Versicherungswirtschaft längst aus dem Staub gemacht.

Sofern Sie sich, angesichts dieser Sachlage (noch) nicht für Gewalttätigkeiten entscheiden können, sollten Sie, statt zu „riestern“ lieber ein Los der Glückspirale kaufen, denn die Gewinnwahrscheinlichkeit dürfte dort wesentlich höher sein und zudem ist der Gewinn steuerfrei.

Ach übrigens, das Bundesarbeitsministerium unter Leitung von Arbeitsminister Glos hat die Berichterstattung über die nach dem ehemaligen Bundesarbeitsminister „Riester“ benannte Rente als „Panikmache“ verurteilt.
Es fehlte nur noch der Hinweis auf den ehemaligen Bundesarbeitsminister Blüm, der sich mit den Sprüchen „die Rente ist sicher“ und „eine Gesellschaft glücklicher Idioten ist machbar“ in den Annalen der Bundesrepublik Deutschland verewigt hat.

So don’t panic, denn Ruhe war schon immer die erste Bürgerspflicht!

Machopan
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Au weia

9. Januar 2008 05:45

Lieber Freund

Jetzt wird es richtig lustig, denn jetzt greift in der verbalen Attacke um die Verschärfung des Jugendstrafrechts auch noch der Altbundesschröder ein.
Irgendwie hat zwar auch er noch nicht ganz mitbekommen worin das eigentliche Problem besteht, aber das sind wir ja von ihm gewöhnt und es wäre auch von einem Politiker etwas viel verlangt.
Daher verwundert es nicht, dass der Basta-Schröder gegen die offensichtliche „Wahlkampfhetze“ des Noch-Ministerpräsidenten von Hessen und die wohlwollende Unterstützung durch die Bundesangela poltert und ihnen vorwirft „auf dem rechten Auge blind zu sein“.
Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass dem hessischen Meister mit der Lizenz zum Schwindeln in Sachen „Augenzudrücken“ schon immer jede Korrektur der Wahrheit und jede Gedächtnislücke recht war, um sein Süppchen in Wiesbaden weiter am Kochen zu halten und Schröders Nachfolgerin im Amte seit ihrer Amtsübernahme unter dem zunehmenden Einfluss von Angelabolika und anderer Stimulanzien zu stehen scheint, denn anders sind ihre chronischen Hirnblähungen und Halluzinationen dem medizinischen Laien nicht mehr erklärbar.
Doch auch an Schröders glasige Augen vom Wahlabend 2006 kann sich so mancher Bürger noch gut erinnern, als er vollmundig kund tat, dass es mit ihm als Kanzler keine Große Koalition geben wird. Nun soll im Wein zwar die Wahrheit liegen, aber damit das bei einem richtigen Berufspolitiker Wirkung zeigt, müsste er sich eigentlich kontinuierlich ins Koma saufen.
Deshalb beschränken sich Politiker meist auf Halbwahrheiten und auch Schröder hatte ja irgendwie recht mit seiner promillisierten Vorhersage.

Wenn man nun, wie Schröder, der CDU vorwirft auf dem rechten Auge blind zu sein, dann darf man eben auch nicht vergessen, dass die CDU nun mal politisch etwas weiter rechts steht als die SPD und diese SPD samt ihren Grünen in Sachen Zuwanderung und Integration jahrzehntelang beide Augen zugedrückt hat.
Außerdem kämpft der Hessenkoch um seine Pfründe als hessischer Ministerpräsident und daran hat verständlicherweise auch die Bundesangela ein natürliches Interesse, denn sie möchte sicher nicht das gleiche Schicksal im Amte erleiden wie ihr Amtsvorgänger, der vorgezogene Neuwahlen für ein probates Mittel für schlechte Politik hielt.

Zur Problematik der zunehmend von Jugendlichen ausgehenden Gewalt trägt die gesamte Diskussion absolut nichts bei. Die Fakten sind seit langem bekannt und auch die Gründe sind offensichtlich. Auch über fehlende Gesetze kann in der Bundesrepublik Deutschland wohl sicher nicht geklagt werden.

Was im Argen liegt, ist die gesellschaftliche Situation von Familien und Kindern. Das beginnt bei berufstätigen Eltern, Alleinerziehenden, Scheidungswaisen mit fehlenden Bezugspersonen und klar ausgeprägten Rollenbildern und geht weiter über Autoritätsverluste, Medienüberreizung, Konsumterror im Einklang mit mangelhafter Erziehung, sozialer und gesellschaftlicher Verwahrlosung, fehlender Bildung und Artikulationsproblemen.
Das Resultat ist ähnlich katastrophal, egal ob es sich dabei um ausländische oder deutsche Jugendliche und Kinder handelt. Unterschiede gibt es nur in der Art der Schuldzuweisung und Interpretation von Ursache und Wirkung.
Handelt es sich um Jugendliche deutscher Nationalität, so werden die Gründe für derartige „Jugendstreiche“ im Elternhaus und im sozialen Umfeld gesucht, gefunden und irgendwann auch mal mit viel Verständnis und Nachsicht geahndet.
Außer die Aggressivität richtet sich gegen Ausländer oder Angehörige einer demographischen Minderheit, denn dann ist die Aggression selbstverständlich politisch bedingt, wird reflexartig verurteilt und gefährdet die weitere Existenz der Republik. Das Spektrum der Reaktionen reicht hier vom „Asche auf’s Haupt schütten“ bis zur „Lichterkette“, Grundgesetzänderung, Berufsverbot, Entzug der bürgerlichen Ehrenrechte und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft.

Mit dem Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft muss ein ausländischer Gewalttäter dagegen nicht rechnen, denn erstens ist er nicht im Besitz einer solchen und außerdem kann es sich in einem solchen Fall nur um ein Migrationsproblem und somit um ein Verschulden des Gastlandes handeln. Denn nur dieses hat die mangelnden Sprachkenntnisse, die fehlende Bildung, den anderen Kulturkreis, das familiäre Umfeld und die Parallelgesellschaft des Gewalttäters zu verantworten.

„Au weia“ kann man dann nur sagen, welch schiefer Blickwinkel.
Denn Gewalt ist Gewalt und eine Straftat ist eine Straftat und Unkenntnis soll vor Strafe doch nicht schützen, oder wollen wir im Rahmen einer bundesweiten Generalamnestie den §17 StGB (Verbotsirrtum) nicht nur auf schlagfertige Manager, sondern auch auf jugendliche Schläger und Kriminelle anwenden?
„Au weia“ kann man da nur sagen. Und das in einem Land, in der jede vermutetet Schandtat eines politisch Andersdenkenden als Bildung einer terroristischen Vereinigung eingestuft wird und automatisch die Generalbundesanwältin mit der Betonfrisur von Pippi Langstrumpf auf den Plan ruft.
Würde es nicht genügen, Straftäter jeder Nationalität ganz einfach nach dem Buchstaben des Gesetzes zu betrafen und Mehrfach- und Schwellentäter ganz einfach durch Haft oder Ausweisung aus dem öffentlichen Leben zu entfernen?
Gesetze dazu gibt es ja jede Menge.

Doch genau das geschieht nicht.
Vielmehr wird mit Hilfe von Psychologen, Pädagogen und Experten für Familie und Migration nach Erklärungen und Entschuldigungen für die Täter gesucht.
Das ist dann das richtige Umfeld, in dem dann jeder, ganz nach Interessenlage seine Forderungen und Änderungsvorschläge loswerden kann und egal wie bescheuert es auch sein mag, er kann sich sicher sein, dass sich irgendwo hirnlosen Sympathisanten und selbstlose Mitstreiter für die Sache finden werden.

Nach der türkisch-griechischen Attacke in München gegen den deutschen Rentner haben sich im Spiegel-Forum tatsächlich Mitbürger gefunden, die sich für eine härtere Bestrafung stark gemacht haben. Nein, nicht die Bestrafung der Täter, sondern die Bestrafung möglicher Zeugen - wegen unterlassener Hilfeleistung.
Und nach dem „rechtsradikalen“ Angriff auf eine 17-jährige Frau in Mittweida wollte man sogar die „Zeugen“ zur Aussage „zwingen“ und keiner hat sich gefragt, wie denn das „Opfer“ überhaupt erkennen konnte, dass man ihm eine Sigrune „auf die Wange ritzen“ wollte.
Ohne einen Spiegel geht das selbst mit der besten Augenakrobatik nicht.

„Au weia“ muss man rufen, denn diese Jugend ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Zur Sicherung unserer demographischen Zukunft und der Sozialsysteme entstanden aus den gesellschaftspolitischen und wirtschaftspolitischen Fehlern der Vergangenheit.
„Au weia“ und jetzt wird die angerichtete Katastrophe auch noch von ihren Erzeugern als Wahlkampfthema zum Machterhalt ausgeschlachtet.

Aber das kennen wir schon, denn bereits im niedersächsischen Wahlkampf des Jahres 1997 gab es markige Sprüche über kriminelle Ausländer: “Wir dürfen nicht mehr so zaghaft sein bei ertappten ausländischen Straftätern. Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: raus, und zwar schnell!”
Nur hieß damals der Wahlkämpfer eben nicht Koch, sondern Gerhard Schröder.

Machopan
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Schöne Bescherung

6. Januar 2008 15:45

Lieber Freund

Nach einer langen Zeit der kommunikativen Enthaltsamkeit und dem stillen Ausklang eines Jahres, in dem man für sich selbst das Ruder herumgerissen und den Kurs weg vom Eisberg auf Süd-West geändert hat, sollte man sich eigentlich der weiteren Kritik an den Leistungen derer enthalten, mit denen man einst, wenn auch ungern, im gleichen Boot sitzen musste.
So war es in den letzten Wochen auch mehr ein, manchmal wehmütiges, über die Schulter zurückschauen, begleitet von in langen Jahren erlerntem ungläubigen Kopfschütteln, mit dem Geist und Körper auf die bundesdeutschen Ereignisse zum Jahreswechsel reagierten.

Was fehlt, und durchaus als angenehm empfunden wird, ist die direkte Betroffenheit und das Gefühl der Machtlosigkeit, denn ich habe dem Land in dem ich geboren wurde endgültig die Freundschaft aufgekündigt und diesem „Vaterland“, das mehr und mehr zum sklavenhaltenden Überwachungsstaat und bürokratischem Umerziehungslager mit zwangshafter Ausländeranbiederung mutierte, den Rücken gekehrt.
Die Gründe sind vielfältig und politischer, wirtschaftlicher, familiärer und persönlicher Natur, wobei deren Reihenfolge und Gewichtung selbstverständlich beliebig verändert werden kann.
Zusammenfassend könnte man es einfach und für jedermann verständlich deftig-derb mit „ich hatte einfach die Schnauze voll“ umschreiben, oder etwas weniger volkstümlich „die wirtschaftliche und bevölkerungspolitische Situation in der widerlich vereinigten BRddr war für mich als Bürger, Wähler, Steuerzahler, Arbeitnehmer, Unternehmer, Vater, Ehemann und Mensch nicht länger hinnehmbar“ und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen und hab “rüber gemacht”.

So konnte ich die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel in aller Ruhe genießen und die anhaltenden Diskussionen über Managergehälter, Mindestlöhne, Arbeitslosenzahlen, Auf- und Abschwung, gewalttätige Jugendliche, Terrorgefahr, Klimawandel, innerstädtische Schutzzonen, Rauchverbot, Energiepreise, Lokführerstreik, Rechtsradikalismus und dem Ausblick auf die „Reformen“ des Jahres 2008, ebenso gelassen zur Kenntnis nehmen, wie die üblich seichte „Ich und meine Frau“-Weihnachtsansprache von Bundeshotte Köhler und das „Alles wird gut“-Neujahresgesabbere der offensichtlich nicht mehr völlig drogenfreien Bundesangela.

Es ist wirklich erstaunlich, mit welchem Feuereifer rechtsseitig des Rheins die Problemchen vom Zaun gebrochen werden und mit welcher Ausdauer in der Nation darüber debattiert und diskutiert wird. Dabei handelt es sich doch offensichtlich um wirtschaftliche und politische Onaniervorlagen und Ablenkungsmanöver.

Bestes Beispiel ist die vom Hessenkoch geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts, die Ausweisung von ausländischen Gewalttätern und die Forderung nach „Erziehungslagern“. Das ist doch alles Quatsch in einem Land, das sich selbst permanent als „ausländerfeindlich“ bezeichnet und sich der chronischen Erfolglosigkeit bei der Ausländerintegration bezichtigt, aber Schwellentäter mit 30 und mehr Straftaten frei herum laufen lässt und sogar noch durch einen persönlichen Staatsanwalt betreut. Sie können sich als Bürger darauf verlassen, dass nach dem Ende des hessischen Wahlkampfes dieses Thema wieder aus den Medien verschwindet und in bundesdeutschen Großstädten weiterhin Gewalt an der Tagesordnung ist.

Oder lassen Sie doch einfach mal die Debatte über die Gehälter von Managern Revue passieren. Schon die Begrifflichkeit des „Managers“ ist so vage wie die des „Besserverdienenden“. Das ist pure Absicht, denn so lässt sich leicht die „Neiddebatte“ mit Forderungen nach „Reichensteuern“, „Managersteuer“ und dringend notwendiger gesetzlicher Reglementierung anreichern, ohne das eigentliche Problem beim Namen nennen zu müssen. Denn Vorstandsgehälter, und um diese geht es ja im Wesentlichen, werden vom Aufsichtsrat eines Unternehmens in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft mit den Vorständen verhandelt und genehmigt. Sehen Sie sich doch mal die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der an der deutschen Börse notierten Aktiengesellschaften an und Sie werden neben vielen Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaftsfunktionären auch viele bekannte Namen aus den Vorstandsetagen anderer Untennehmen finden. Und da bekanntlich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, wäre es eine einfache gesetzgeberische Maßnahme, die Zahl der Aufsichtsratsmandate jeder natürlichen Person auf maximal drei zu begrenzen um der grassierenden Vetternwirtschaft den Nährboden zu entziehen.
Ähnlich konstruktiv ist die vom „Waschen, Schneiden und Fönen“-Kurti aus rein parteitaktischen Gründen losgetretene Debatte über den Mindestlohn. Oder glauben Sie wirklich, dass der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) nach den sozialpolitischen Raubzügen der vergangenen Jahre nun plötzlich das „Gewissen“ schlägt?
Gewiss nicht! Es geht nur um das Stühlezurechtrücken im nächsten Bundestag und was dem Herrn Koch aus Hessen die „ausländischen Gewalttäter“ sind, sind dem Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz nun eben die „deutschen Billiglöhner“.
Dabei hat gerade seine Partei schon vor Jahren den „Mindestlohn“ pro Arbeitstunde mit 1-Euro festgeschrieben und damals herumgetönt, dass dadurch jede Menge Arbeitsplätze geschaffen würden.

Seit ich in einem Land wohne, in dem man sein Auto mit laufendem Motor vor der „Boulangerie“ stehen lässt, während man sein „Baguette“ kauft, lassen mich auch die in bundesdeutschen Städten eingerichteten „Schutzzonen“ kalt, die man nur noch mit Sondergenehmigung und Plakette befahren darf.
Und über die in der BRddr ständig wiederkehrende Debatte zur Geschwindigkeitsbegrenzung auf völlig überlasteten Autobahnen kann ich angesichts des in Frankreich geltenden Limits von 130 km/h auf der fast leeren „autoroute“ nur lächeln. Gleiches gilt auch für die PKW-Maut auf Autobahnen und die Abschaffung der KFZ-Steuer, denn beides ist hier bereits Realität.
Hier weiß ich auch, dass Atomstrom aus der Steckdose kommt und muss mich nicht von einem skrupellosen Stadtwerk mit getürktem Öko-Strom verarschen lassen, den man mir auch noch zu einem weit höheren Preis andreht.

Bevor ich jetzt in Versuchung geraten könnte, die in Frankreich bestehenden Verhältnisse zu glorifizieren, möchte ich dieses Thema mit dem Hinweis abschließen, dass hier viele Dinge wirklich „erfrischend einfach“ sind.
So erfrischend einfach wie die neue „Liebschaft” des französischen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy mit Carla Bruni, die nun doch schon einige Armbanduhren wichtiger Männer auf dem Nachttisch liegen hatte. Sarkozy ist dabei sicher nicht der Letzte in ihrer Sammlung, doch für die deutsche Presse ist das so immens wichtig wie die ungewollte Schwangerschaft von Britneys Spear’s 16-jähriger Schwester und auf dem selben Niveau wird auch darüber berichtet.
Auch wenn in den deutschen Medien der Eindruck erweckt wird, so regt sich hier in Frankreich, außer der politischen Opposition, kein Mensch darüber auf.

Wobei, das möchte ich jetzt nicht ganz unerwähnt lassen, die Schwangerschaft einer 16-Jährigen in den USA durchaus eine nationale Katastrophe sein kann und das in 2008 in der BRddr Erstgeborene einer 14-Jährigen wohl nur eine erste nationale Maßnahme zur bundesdeutschen Demographieverbesserung sein wird.
Aber selbst mir als Ausländer im Linksrheinischen ist rasch klargeworden, dass der öffentliche Wangenkuss eines Franzosen zu den guten Umgangsformen des „faire la bise” gehört.
Und das gilt auch für einen von ungarischen Migranten abstammenden französischen Staatspräsidenten, selbst dann, wenn er sich weiterhin beharrlich weigert vor der Bundesangela auf die Knie zu fallen und ihr die Hand zu küssen. Dafür hat der Präsident mein vollstes Verständnis. Wenig Verständnis gibt es aber darüber, dass deutsche Medien so gerne aus französischen Medien zitieren, während sich diese mehr über die bundesdeutsche Aufregung und Behauptung wundern, dass „alle Franzosen“ mit dem Latin-Lover Präsidenten unzufrieden sind, während „alle Deutschen“ mit der moppeligen Bundesangela rundum und vollauf glücklich scheinen.

Ach ja, da war ja noch die Meldung, dass der aus dem Leben geschossene „JJ1“, bekannt als „Bruno der Bär“, nun in ausgestopftem Zustand im Münchner Museum für Mensch und Natur bewundert werden darf, während sein weißhaariges Gegenstück „Ede“, bekannt als der Stoibär nach Brüssel gerufen wurde, um dort die Bürokratie zu bekämpfen.
Im Interesse der Sache wäre es sicher besser gewesen, den aus dem Amt geschossenen „Stoibär“ ausgestopft ins Museum zu stellen, während „Bruno Braunbär“ zwecks Bürokratieabbau in Brüssel jeden Tag einen Beamten oder Politiker gefressen hätte.

Eine schöne Bescherung, die da angerichtet wurde.

Machopan
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