Keiner wäscht Reiner

31. August 2006 05:45

Mein lieber Freund

Keiner wäscht reiner!
Diese abgelutschte Behauptung von Omo zur nachhaltigen Beseitigung von Dreck findet sich in unzähligen Werbespots der Waschmittelindustrie und diente, wie „die Kraft die durch den Knoten geht“ schon zu Großmutters Zeiten als Alleinstellungsmerkmal.

Keiner wäscht Reiner!
Dieser Satz könnte aus einem Knabenpensionat stammen und die Feststellung dafür sein, dass niemand für die Reinigung des kleinen Reiner zuständig ist oder zuständig sein darf, obschon der Reiner dringenden Reinigungsbedarf hätte.

Keiner wäscht reiner als Reiner
In dieser Form könnte der Satz in einer Beurteilung stehen und als Lob und Anerkennung gemeint sein, weil Reiner über hervorragende Reinigungseigenschaften verfügt und auch in der Lage ist, diese in die Tat umzusetzen.

Keiner wäscht Reiner reiner als Reiner
Dieser hübsche Satz zieht mir dieser Tage durchs Großhirn, wenn ich in den Medien die unendlich Geschichte –nicht die von Momo, sondern die von Reiner Calmund- und den auf wundersame Weise verschwundenen Teuronen lese.
Mal ganz ehrlich, was würden Sie denken, wenn Sie in einer Gaststätte einen größeren Geldbetrag (der nicht Ihnen gehört) in bar an (ausländische) Personen übergeben, von denen Sie nur die (angeblichen) Vornamen kennen?

Keiner wäscht ReinerLassen Sie sich ruhig Zeit mit der Antwort!
Auch der Reiner Calmund kann sich nicht mehr so genau erinnern. Weder wo die 580.000 Euro abgeblieben sind, noch warum sie genau bezahlt wurden.

Wie heißt es so schön unter dem Motto „Sich gut fühlen, gut aussehen und mehr vom Leben haben“ auf den Web-Seiten von Omo:
«Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie als kleiner Abenteurer losgegangen sind um die Welt zu entdecken und völlig dreckig wieder nach Hause kamen?“
OMO ist der Meinung, dass Kinder “das wahre Leben” nur draußen kennen lernen können.
Deshalb sucht OMO neue, oder vielleicht alte, wieder entdeckte Ideen, um den Kindern die Erlebniswelt “Dreck und Natur” auf spielerische Art näher zu bringen und prämiert die Umsetzung der drei besten Ideen mit je CHF 5′000.-»

Also ich finde der Reiner Calmund sollte sich da unbedingt bewerben.
Nicht nur weil er das Leben „da draußen“ kennt und es bei der Aktion „“Dreck und Natur“ was zu gewinnen gibt, sondern auch weil schließlich „keiner reiner wäscht als Reiner!“.

Machopan
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Von Zügen und Koffern

30. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als der Bahnsteig noch „Perron“ hieß und zum Betreten dieses „Perron“ noch eine „Bahnsteigkarte“, die noch „Billet“ hieß, am Fahrkartenschalter erworben werden musste?
Ja, das war noch zu der Zeit als Züge, Koffer und Bahnsteige das Flair von Abenteuer, Aufbruchstimmung und Reisefieber hatten und zum Transport des Gepäcks noch ein Dienstmann und ein Gepäckwagen zur Verfügung stand.

Bestes Beispiel dafür ist der Dienstmann Alois Hingerl, Dienstmann mit der Nummer 172 in München. Dieser erledigte jedoch einst einen Auftrag mit solcher “Eile”, dass er vom Schlag getroffen zu Boden fiel und noch auf dem Münchener Hauptbahnhof verstarb.

Heute wäre so etwas undenkbar. Nicht nur, dass Ihnen heute niemand mehr einen Koffer trägt, den er nicht selbst gepackt hat. Auch der Aufenthalt auf dem „Perron“ ist zum Abenteuer geworden und das Reisefieber wurde von der Reisehysterie verdrängt.
Heute erregt ein herrenloser Koffer auf einem Bahnsteig mehr Aufmerksamkeit als ein verstorbener Dienstmann auf einem Perron.
Liefen sonst die Schaulustigen zusammen, um einen Blick auf das tragische Ende eines in Ausübung seines Berufes verstorbenen Gepäckträgers zu erhaschen, genügt heute ein einsamer Koffer auf einem Perron, um eine Massenhysterie auszulösen und den Bahnhof für Stunden aus dem Verkehr zu ziehen um den Experten für Sicherheit ein ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen.

Auch außerhalb des Bahnhofs fühlen sich die „Experten“ berufen ihre „Gedanken“ zur Sicherheit unters Volk und an den Mann zu bringen

Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis sagte der Bild-Zeitung, „in Zügen seien die gleichen Sicherheitsmaßnahmen wie in Flugzeugen nötig. Deshalb sei es sinnvoll, in Zügen Sicherheitsbeamte mitfahren zu lassen“. Dieser Meinung schloss sich der CDU-Innenexperte Clemens Binninger an und forderte seinerseits „Rail-Marshalls“ in den Zügen.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) forderte dagegen die Wiedereinführung der Kronzeugenregelung. “Wir müssen dringend Sicherheitslücken schließen, über die schon seit Jahren diskutiert wird. Die Anti-Terrordatei sei dabei ein wichtiges Element. Darüber hinaus müssten die Sicherheitsbehörden personell und technisch besser ausgestattet werden“.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte in der Chemnitzer Freien Presse “eine deutliche Ausweitung der Videoüberwachung auf Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln“. “Auch die Daten des Mauterfassungssystems müssten bei schweren Straftaten der Polizei zur Verfügung stehen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

Ja ja, jetzt glauben wir das halt alles auch noch und wenn dazu noch jeder Fahrgast beim Check-In einen nummerierten Sitzplatz bekommt, während der Fahrt kostenlos Zeitungen, Getränke und Erfrischungen gereicht bekommt und die Beförderung des Gepäcks zwischen Check-In und Check-Out von der Bahn übernommen wird, wäre das doch eine echte Verbesserung.

Aber ein Gutes hat die ganze Sicherheitshysterie ja: „Sie können heute einen Koffer am Bahnhof stehen lassen, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass er Ihnen geklaut wird. Und Sie können sicher sein, dass er bis zur Ihrer Rückkehr gut bewacht wird und durch ein mit rot-weißen Plastikbändern markiertes Areal gekennzeichnet ist.

Aber wenn ich Terrorist wäre, dann würde ich mir soviel Arbeit, um das Gepäck selbst auf den Bahnsteig zu schleppen, gar nicht machen, sondern mein Auto mit den Koffern einfach vor dem Bahnhof parken. Oder bei Aldi auf dem Parkplatz abstellen, oder in der Tiefgarage bei Horten, oder in der Kurzparkzone vor den Ladengeschäften in der Hauptstraße oder vor der Raststelle an der Autobahn oder gleich an der Tankstelle vor der Zapfsäule oder …

Auf ein probates, allerdings nur langfristig wirkendes Mittel zur Verbesserung der Sicherheit im Innern der Republik sind die „Experten für Sicherheit“ mit Sicherheit aber noch nicht gekommen: „Die Verbesserung der Außenpolitik, unserer und der unserer Verbündeten diesseits und jenseits des Atlantiks.
Auf Dauer, so deucht es mir zumindest, scheint das der sinnvollere Weg zu sein.
Das würde uns vermutlich auch der Dienstmann Aloisius raten, wenn er es denn endlich mal schaffen würde die „göttliche Erleuchtung“ hier auf Erden abzuliefern.

Machopan
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Sachsen für Sachsen

29. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

„Spenden Sie noch oder schmieren Sie schon?“.
Nun ist der Übergang von der Spende zum Schmiergeld meist fließend und der dazwischen liegende Graubereich stark abhängig von Absicht und Standpunkt der beteiligten Parteien, Pöstchen und Personen, der Öffentlichkeit auch gerne als „Public Private Partnership“ (PPP), dem kooperativen Zusammenwirken von Hoheitsträgern mit privaten Wirtschaftssubjekten bei der Verteilung von Finanzmitteln zur Erfüllung staatlicher Aufgaben, verkauft.
Im Volksmund ist dies auch als „Pleiten, Pech und Pannen“-Vorgang bekannt, der meist zum Totalverlust der eingesetzten Ressourcen zu Lasten des Volkes führt.

In diesem Graubereich der „Schmierspende“ bzw. „Spendenschmierung“ ermittelt nun mal wieder die Staatsanwaltschaft und schon wieder bei einer der politischen Parteien, die ja schon zu Zeiten von Helmut dem Dicken Probleme mit der Definition von Spenden hatte.
Diesmal ist es (wieder mal) die Christlich Demokratische Union (CDU). Nur nicht auf Bundesebene, sondern im Bundesland Sachsen. Und wieder hat es einen (ehemaligen) Wirtschaftsminister erwischt:
«Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Anklage gegen den ehemaligen sächsischen Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU) wegen des Verdachts der Untreue und Bestechlichkeit erhoben. Hintergrund sind die Begleitumstände beim Verkauf des landeseigenen Mikroelektronikunternehmens ZMD an die Sachsenring AG. Schommer soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Millionen-Subventionen abhängig gemacht haben von finanzieller Unterstützung für den CDU-Landtagswahlkampf 1999», schreibt der Spiegel.

Das Spiel lief wie immer in solchen Fällen nach der, auch für den politischen Laien, leicht verstandlichen „Subvention-in-Spenden-Umwandlungs-Formel“.wobei die Spende (Sp) in einem suboptimalen, meist prozentualen Bezug (sB) zur Subvention (Su) steht: „Sp = Su * sB%.

Weitere informative Details zu diesem Deal kann man im Archiv des MDR nachlesen.
Danach hat die Sachsenring AG mit rund 3 Millionen DM eine Imagekampagne „Sachsen für Sachsen“ der sächsischen CDU-Landesregierung unter Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) finanziert und das Geld dazu als staatliche Fördermittel vom sächsischen Wirtschaftsministerium unter Leitung von Wirtschaftsminister Kajo Schommer erhalten.
Dazu Ulf Rittinghaus, ehem. Vorstandsvorsitzender der Sachsenring AG:
Die Fördermittel sind um 4 Millionen erhöht worden. Und zwar unmittelbar zwei Tage, nachdem wir bereits einen Vertrag erhalten hatten, in dem stand, dass es also maximal nur 25 Millionen gab, erhielten wir dann zwei Tage später einen neuen Vertragsentwurf aus dem dann ganz klar hervorging, dass es um vier Millionen erhöht wurde auf 29.

Ja, so geht das: Sp = Su *sB%, wobei im vorliegenden Fall scheinbar eine geringe Rundungsdifferenz in Höhe von 1 Million DM zu Gunsten der Sachsenring AG übrig bleibt.
So ganz uneigennützig mag also der Deal seitens der Sachsenring AG auf den ersten Blick ja wohl auch nicht gewesen sein.

Doch macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und als im Sommer 2002 (nach Einführung des Euro) der Kajo Schommer als Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit die Schwalbe gemacht hat, um anschließend Honorarprofessor an der Technischen Universität Chemnitz zu werden, da konnte er mit dem „Grünen Punkt“ einen Beratervertrag mit einem Jahreshonorar von € 600.000 unterzeichnen.
In diesem Vertrag sei jedoch keine adäquate Gegenleistung vereinbart meinte die Staatsanwaltschaft und ermittelt gegen Schommer wegen Beihilfe zur Untreue in einem besonders schweren Fall.
Nun könnte dem politische Laie doch durchaus spontan der Gedanke durchs Hirn irren, dass mit diesem Beratervertrag die Image-Kampagne des Landes Sachsen ihre eigentliche Wirkung „Sachsen für Sachsen“ erzielt hat.
Oder ist der Kajo Sommer gar kein Sachse?
Übrigens entspricht das Beraterhonorar in Euro wohl nur rein zufällig dem Betrag von 1 Million DM, die sich seit 1999 mit circa 3-4% p.a. verzinst hat.

Man erinnert sich, dass die CDU die Landtagswahl 1999 mit knapp 60% der Wählerstimmen gewonnen hat, während die SPD nur auf magere 10% kam. Somit hat auch der Herr Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und die CDU von der Image-Kampagne „Sachsen für Sachsen“ profitiert, auch wenn Ulf Rittinghaus, ehem. Vorstandsvorsitzender der Sachsenring AG dazu anmerkt: „Wir hatten Gelegenheit Herrn Biedenkopf die Konzeption vorzustellen. Er legte Wert darauf, dass er selbst nicht erscheint, dass er namentlich nicht erwähnt wird, aber dass diese Aktion letztendlich doch zum Vorschein bringt, wem Sachsen letztendlich die blühenden Landschaften zu verdanken hat.
Nun könnte dem politischen Laien doch durchaus (wieder) der Gedanke durchs Hirn irren, dass der Herr Biedenkopf schon gewusst haben wird, warum er in dieser Angelegenheit lieber dezent im Hintergrund bleiben möchte.

Dass die Sachsenring AG wegen finanzieller Probleme in die Insolvenz gegangen ist und die Herren Schommer und Biedenkopf im Jahre 2002 fast zeitgleich die Fliege gemacht haben, ist Geschichte.

NUN ABER KOMMT’s:
«Die Bundestagsverwaltung will nun prüfen, ob es sich bei den drei Millionen Mark für die Sachsen-PR um verdeckte Parteispenden handelt. Kommen die Parteienfinanzenkontrolleure in Berlin zu einem ähnlichen Schluss wie die Dresdner Ermittler, drohen der Bundes-CDU erhebliche Strafzahlungen, bis zu 4,5 Millionen Euro.», schreibt der Spiegel.
JETZT IM SOMMER 2006!
Seven years after!

Sachsenring Regenbogen

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: „Können Sie sich noch an das Geschrei der etablierten Parteien erinnern, als die NPD bei der Landtagswahl 2004 auf 9.2% der abgegebenen Stimmen kam?
Hier könnte dem politischen Laien doch durchaus der Gedanke durchs Hirn irren, dass es sich dabei um eine Spätfolge der Image-Kampagne „Sachsen für Sachsen“ gehandelt haben könnte, weil der tumbe Wähler geblickt hat, was da im Lande der Sachsen eigentlich so abgeht.

Honorarprofessor Schommer hat indes die Einschaltung des Gerichts begrüßt und wies die erhobenen Anschuldigungen zurück: «Die Anklage sei ein abenteuerliches Konglomerat aus substanzlosen Mutmaßungen und nicht nachvollziehbaren Spekulationen. Den angeblichen Spendendeal habe es nicht gegeben. Es sei gut, dass nun endlich ein ordentliches Gericht diese unhaltbaren Vorwürfe zur Prüfung auf den Tisch bekommt».

Nun fällt (sicher nicht nur) dem politischen Laien auf, dass sich Jan Ullrich zu den Vorwürfen in der Dopingaffäre (anfangs) ähnlich geäußert hat.

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Blog Umzug

27. August 2006 13:43

Mein lieber Freund!

Noch sind die Umbau- und Renovierungsarbeiten in der Sesam-…. ähhhh Blogigo-Straße nicht abgeschlossen, auch wenn es so aussieht als ob dort langsam wieder Ruhe in die Blogger-Gemeinde einkehren würde. Entweder weil man sich arrangiert hat, dass es nun halt mal so gekommen ist wie es gekommen ist und weil es ja schließlich immer weitergehen muss oder weil die größten Schreihälse verstummt sind.

Mir aber ist die Art und Weise, wie die Umstellung auf Blogigo 2.0 ablief, so gegen den Strich gegangen, dass ich mich entschlossen habe mir ein neues (Eigen)Heim zu gönnen.

Die neue Adresse ist gefunden und der Umzug (fast) vollbracht.
Oder sagen wir mal so, es gibt eine neue Adresse und eine neue Bleibe. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Die neuen Räume müssen individuell eingerichtet und Hab und Gut verstaut werden. Das wird zwar noch dauern, aber wenigstens muss ich mir hier keine Gedanken darüber machen, dass mir plötzlich jemand die Möbel umstellt oder Graffiti an die Wände schmiert, auf dass es der Sau graust.
Ich brauch keine bunten Smilies und Icons und eine “Dreckbäck”-Funktion brauch ich schon gar nicht. Auf jeden Fall dann nicht, wenn meine eigenen Texte plötzlich verschwunden sind und mir dafür andersartiges Gedankengut, für das ich dann auch noch juristisch verantwortlich bin, untergejubelt wird, weil die Datenmigration aus Zeitgründen nicht vorher getestet werden konnte.
Das nehme ich jetzt einfach mal zur Entschuldigung des Verantwortlichen an.

OK, was soll’s, “lessons learned” und kein Blick zurück. Weder im Zorn, noch im Hohn. Das war’s. Auf ein Neues!

Hier werde ich mich langsam einrichten und es mir richtig gemütlich machen. Vorerst genügt mir das spartanische Aussehen des neuen Blogs. Einfach und weiß und ohne viel Schnickschnack.
Hauptsache ich bin online und “Inhalte” sind wieder Trumpf.

Nur mühsam konnte ich mir in den letzten Wochen die Kommentare zu Ereignissen aus Politik und Wirtschaft verkneifen. Doch nun ist die Sommerpause um und die Jagdsaison auf Rotwild, Schwarzvieh, Reptilien, Federvieh und schräge Vögel jeder Art eröffnet.

Ab sofort wird wieder zurückgeschossen!
Montag bis Freitag und immer um 5:45 Uhr.

Und immer im World-Wide-Web unter www.machopan.com/rauchzeichen

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Das Merkeltief

11. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Nach dem meteorologischen Sommerhoch mit Namen „Bruno“ befinden sich die Parteienlandschaft der BRddr nun im medienpolitischen „Merkeltief“.

Besonders schlimm scheint sich unter der Hitze der Reformschlachten wohl die Beliebtheitsskala der CDU verbogen zu haben. NUR noch 31% der befragten Wähler wollten der Partei ihre Stimme geben, der tiefste Stand seit der Kohl’schen Spendenaffäre. Außerdem soll auch noch der Kanzlerinnenbonus verflogen sein und die Partei ihr Profil verloren haben.

So, oder ähnlich liest man es derzeit in den Medien und aus Politikermund kommen plötzlich Worte, die sich anhören wie: „Es sei für die Menschen nicht sichtbar, ob die Partei einer Linie und Überzeugung folge und wenn ja, welcher. Die Gesundheitsreform und die Mehrwertsteuererhöhung würden von den Anhängern übel genommen. Die Union solle sich von Lebenslügen verabschieden und endlich zugeben, dass Steuersenkungen nicht automatisch für mehr Investitionen und Arbeitsplätze sorgten und die Bedeutung der Lohnkosten überschätzt werde.

Und wer schuld an diesem Desaster ist, kann der Leser aus den Medien auch gleich erfahren: „Die Kanzlerin, hat‘s verbockt“ und in der Beliebtheitsskala der Deutschen sind der Außenstürmer Frank-Walter Steinmeier von den „Roten Socken“ und der Innenverteidiger Wolfgang Schäuble von den „Black Panthers“ an ihr vorbeigezogen.

Nun hat der Frank-Walter natürlich ganz eindeutig die besseren Karten, denn seit er Außen rumstürmt, (das fällt zumindest mir auf) gibt es eine kriegerische Auseinandersetzung nach der anderen und es kracht und rumst an allen Enden.
Reiner Zufall?
Oder war das eher die schlechte Stabübergabe vom Vorläufer, dem Turnschuhjoschka?

Dem kläglichen Ruf des beräderten Innenwolfgang hat sicher die wochenlange Versammlung der schweinsblasentretenden Berufskicker auf bundesdeutschem Territorium gut getan, ohne dass es zu terroristischen Attacken gekommen wäre, wenn man mal von dem Scharmützel im Spiel Frankreich gegen Italien absieht. Positiv haben sich für den Innenwolfgang auch die gelockerten Beflaggungsvorschriften an Mobilen jeder Art und der neue „multikulturelle“ Patriotismus ausgewirkt.

Die Kanzlerin hatte es dagegen richtig schwer.
Erst hat die SUN ihren Hintern mit jeder Runzel publiziert. Dann sind ihr nach dem verlorenen Spiel gegen Italien vor laufenden Kameras die Gesichtszüge entgleist, als ihr wohl klar wurde, dass der Zug für den Aufschwung soeben vorzeitig den Bahnhof verlassen hat. Anschließend musste sie auch noch dem süffisant grinsenden Sieger Brodi (Berlusconi wäre noch schlimmer gewesen) die Flosse drücken und mit zitternden Lefzen Glückwünsche formulieren.
Und als ob das noch nicht genug wäre, kam es in der VIP-Loge bei der Umarmung des Franzl Beckenbauer noch zu einem längeren, fast intimen Beckenkontakt, der unter dem Motto „Kraft der Wende trifft Kraft der Lende“ in die Analen der Geschichte eingehen wird, auch wenn der Franzl nur wenige Wochen später eine Andere vor den Traualtar führte. Die erotische Nackenmassge vom Dubbeljuh Bush hat ihr dann noch den Rest gegeben.

Aber warum sollten wir kleinen Würstchen dieser Republik uns über die Rang- und Hackordnung unserer Politiker ernsthafte Gedanken machen?
Wird dadurch etwa die Politik besser?
Wird dadurch Bürokratie abgebaut oder die Steuererklärung einfacher?
Wird dadurch die Staatsverschuldung und das Finanzloch kleiner?
Werden dadurch Arbeitsplätze geschaffen oder sinken gar die Arbeitslosenzahlen?

Na also, sehen wir, als zahlende Zuschauer dieses Polittheaters in der Sommerpause, die Ereignisse doch ganz rational und unter rein sportlichen Gesichtpunkten.
Die Jungs und Mädels aus dem rot-schwarzen Turnverein sind angetreten um uns den eingesprungen doppelten Rittberger mit ganzer Schraube zu zeigen und bis jetzt ist nur ein verunglückter Purzelbaum mit halbherzigem Umfaller daraus geworden.
Und wie üblich hat das erstmal der Trainer verbockt.
Wir sollten jetzt einfach zuwarten, bis die Übung zu Ende geturnt ist und dann unser Wertungstäfelchen zücken.

Ich such derweil schon mal nach dem Täfelchen mit der Null drauf.
Machopan

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